Der FC Oftringen gibt beim 4:3 im 2.-Liga-Derby gegen den FC Kölliken den Sieg am Schluss beinahe aus den Händen.

 

Ob Champions League oder Aargauer Zweitliga-Fussball – entscheidend ist, was im Kopf passiert. 0:1 liegt Real Madrid am vergangenen Mittwoch im Halbfinal-Rückspiel gegen Manchester City zurück, ehe sich die «Königlichen» mit zwei Toren in der Nachspielzeit in die Verlängerung retten und sich später sogar für den Final qualifizieren. Ein ähnliches Comeback ist am Samstag beinahe dem FC Kölliken im 2.-Liga-Derby gegen den FC Oftringen gelungen. Mit 4:1 führte der Gastgeber, ehe die Kölliker mit einem Doppelschlag in der 88. und 91. Minute aus dem Nichts wieder an einem Punktgewinn schnupperten.

 

Nach dem 4:1 in falscher Sicherheit gewogen

Die Oftringer retteten den knappen Vorsprung aber über die Zeit – auch, weil die Kölliker die letzte Vehemenz vermissen liessen. «Wir warten nach unseren zwei Toren ab und spielen hinten herum. Das verstehe ich nicht», ärgerte sich Köllikens Captain Rafed Bayazi über die Passivität zur Unzeit. «Dabei lieferte Real Madrid das beste Beispiel: Wenn du daran glaubst, gehen die Bälle auch rein, dann kämpfst du bis zum Schluss. Genau das haben wir vor dem Spiel noch angesprochen.» Beim FC Oftringen hielt sich die Freude über den Derbyerfolg in Grenzen. «Wir haben in den letzten zehn Minuten nicht mehr Fussball gespielt und gedacht, dass wir den Sieg bereits im Sack haben», sagte Marc Leuppi. Der FCO-Stürmer hatte mit zwei Treffern massgeblichen Anteil daran, dass die Oftringer trotzdem jubeln durften. In der 41. Minute gelang ihm nach einer Flanke von Lauret Popaj, der Nach seiner frühen Einwechslung auf der rechten Seite für viel Gefahr sorgte, per Kopf der 1:1-Ausgleich. Und in der 68. Minute schnappte Köllikens Abseitsfalle nicht zu, worauf Leuppi alleine auf Torhüter Lenny Hofer loszog, diesen austanzte und zum 3:1 einschob. Auch beim 2:1 in der 55. Minute hatte Leuppi seinen Fuss im Spiel, als er über die linke Seite nach vorne preschte und scharf in die Mitte zu Bojan Djuric passte, der den Gastgeber via Lattenunterkante erstmals in Führung brachte. Djuric war es auch, der in der 80. Minute die starke Vorarbeit von Lauret Popaj zum 4:1 verwerten konnte. Hätten Leuppi, dessen Schuss kurz vor der Pause knapp am Pfosten vorbeiflog, oder Popaj, der in der 70. Minute das leere Gehäuse verfehlte, ihre Chancen genutzt, das Derby wäre zu diesem Zeitpunkt wohl definitiv entschieden gewesen. «Wir hatten das Spiel komplett im Griff, sind nach dem 4:1 aber zu leger aufgetreten», kritisierte Leuppi.

 

Nach dem Geschenk zum 1:0 den Kopf ausgeschaltet

Während sich der FC Oftringen fortan auf die Defensive konzentrierte, hauchten Rafed Bayazi und der eingewechselte Hajdar Kamishaj dem FC Kölliken mit ihren platzierten Schüssen wieder Leben ein. Denn seit dem 1:0 – einem Eigentor von Dejan Skopljak in der 17.Minute –war von den Gästen nicht mehr viel zu sehen. «Wir dachten nach dem Führungstor, dass wir es locker zu Ende spielen können. Bis wir unseren Kopf wieder eingeschaltet haben, dauerte es zu lange», sagte Bayazi. Weil Fislisbach und Küttigen ebenfalls verloren, beträgt Köllikens Rückstand auf das rettende Ufer sieben Runden vor Schluss weiterhin neun Punkte. «Solange der Ligaerhalt mathematisch drinliegt, ist alles möglich», sagte Bayazi, betonte aber: «Es ist nicht fünf vor, sondern zwei vor zwölf. Die nächste Woche wird entscheidend sein.